Gedankenspiele zu den Inklusionstagen 2019 in Berlin

- Gemeinsam einfach machen - Kultur, Freizeit, Sport und Reisen –

 

Die alle Jahre im Berliner Congress Center stattfindenden Inklusionstage waren wieder ein bemerkenswertes Ereignis. Es war die dritte Veranstaltung in dieser Reihe, die ich besucht habe. Frau Kerstin Griese, Parlamentarische Staatssekretärin, begann mit Grußworten an die Gäste und Hubertus Heil, Bundesminister für Arbeit und Soziales verlieh abschließend den ersten Bundesteilhabepreis.

Frau Ninia Binias, eine vielseitig engagierte Frau, führte durch das Programm. Wikipedia weist sie unter ihrem Künstlernamen auch als „Ninia LaGrande“ aus. Sie ist Schriftstellerin, Bloggerin, Slam-Poetin und Moderatorin.

Herr Reinfried Blaha, Dozent und Referent, berichtete über seine Erfahrungen „Mit dem Rollstuhl um die Welt“. Es ist beeindruckend, was auch ein Mensch mit einem Handicap erleben kann.

Frau Katja Sandschneider, Joga-Lehrerin, brachte barrierefreies Joga im Rollstuhl zum Besten, jeder konnte mitmachen. Sie schreibt über sich: „Je mehr ich mich mit Yoga beschäftigt habe, desto klarer wurde mir, welche Potenziale darin stecken – auch und gerade bei Handicaps.“

Es folgte dann eine Gesprächspodiumsrundendiskussion zu Kultur-Freizeit-Sport und Tourismus mit folgenden Gästen:

 

Am Nachmittag begann der Austausch in den Foren. Aus den Angeboten wählte ich das Forum Ehrenamt. Das Thema war aber das Ehrenamt im Allgemeinen, z.B. selbstbestimmtes Leben zu begleiten, was natürlich auch Menschen mit Handicap ausüben können. Die Bedeutung ehrenamtlich tätiger rechtliche Betreuer, ich meine Familienmitglieder, die kognitiv und mehrfach Behinderte betreuen, kam nicht zur Sprache. Das „emotionale Betreuungsrecht“ war hier in keinster Weise angedacht und wurde auch nicht behandelt. Die Vielfältigkeit des Ehrenamtes ist schon sehr beeindruckend, entsprach aber eben nicht den Vorstellungen des BABdW.

Mit einer musikalischen Begleitung endete der erste Tag.

Am 2. Tag entschied ich mich für das Forum Medien. Hier ging es um das Thema „Barrierefreie Medien“. Die Informationen an die Öffentlichkeit sollten für alle Menschen zugänglich sein, z.B. sollten diese für blinde Menschen vorgelesen oder über die Gebärdensprache berichtet werden. Eine junge Studentin der Hochschule Hildesheim brachte ein Referat zur barrierefreien Kommunikation. Auf meine Frage, wer denn für die kognitiv Beeinträchtigten das Wort ergreift, erhielt ich einen Schwall von Anfeindungen, es könne jeder sich äußern, wenn nicht durch Wort, dann aber durch Gesten oder Augen-Blicke!! Wo ist aber die Hilfe dafür, um diese Gesten deuten zu können? Hier war nicht unser Forum um für unser Klientel Gehör zu finden geschweige denn, etwas zu erreichen.

Es folgte die Gesprächspodiumsrunde „Mit Sport gewinnt die Inklusion“ mit verschiedenen Fachleuten aus Politik, Sport und Projektleitern, der ich nicht recht folgen konnte. Durch das Ergebnis des vorangegangenen Forums hingen meine Gedanken noch an der mir entgegengebrachten „Nichtinklusion“. Anschließend wurde eine Tanzformation der HULL FOUNDATION gezeigt, was mich persönlich mit der Veranstaltung wieder etwas versöhnt hat.

Hubertus Heil, Bundesminister für Arbeit und Soziales verlieh erstmalig den Bundesteilhabepreis und sprach abschließend das Schlusswort mit sehr empathischen, aber auch analytischen Aussagen für die Zukunft.

Fazit

Es waren wieder 2 ereignisreichen Tage mit viel Empowerment, vielen neuen, aber auch bekannten Ideen. Es wurde mir sehr klar, dass die Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen auch hier keinen Ansprechpartner finden, das Betreuungsrecht hatte hier allenfalls in oberflächlich verlaufenden Gesprächen eine Beachtung gefunden.

 

Ursula Cassel im Nov. 2019

Geschäftsführerin im BABdW