Thema Gesundheit

Ein Mensch mit Beeinträchtigungen ist nicht krank auch wenn seine Beeinträchtigung ggf. durch eine Krankheit hervorgerufen wurde.

Werden Menschen besonders mit kognitiven oder mehrfachen Beeinträchtigungen krank, so sind ihr Umfeld, speziell aber Ärzte und ggf. Pflegekräfte ganz besonders gefordert. Sowohl die Erstellung einer Diagnose als auch eine Behandlung bedürfen ggf. eines erheblichen zeitlichen und personellen Mehraufwandes im Vergleich zu Menschen ohne derartige Beeinträchtigungen. - Der ungewohnte Zustand wird wegen der mangelnden Einsicht durch den beeinträchtigten Kranken unter Umständen rasch als bedrohlich empfunden. Das kann zu Aggressionen, Angstzuständen, ja Psychosen führen und - sollte gar ein Krankenhausaufenthalt notwendig werden - auch zu Fluchtreflexen.

Insbesondere im akuten Notfall, ist eine Aufnahme dieser Menschen in örtlichen Krankenhäusern unumgänglich. Das stellt die beeinträchtigten Patienten ebenso wie das medizinische aber auch das Verwaltungs-Personal dort vor erhebliche Probleme. Die Kommunikation mit ihnen benötigt einen erheblich größeren Aufwand, sodass Patienten, Ärzte, Pflegepersonal und Strukturen häufig völlig überfordert sind.

Mangels anderer, besserer Möglichkeiten begegnet man dem - öfters leider selbst ohne gegebenen Anlass, quasi reflexartig  - mit medikamentösen oder gar mechanischen freiheitsentziehenden Maßnahmen (Sedierung oder Fixierung) - häufig ohne eine selbst nachträgliche betreuungsrichterliche Zustimmung. Aber auch unabhängig von dieser formalen Genehmigung, die ja oft situationsbedingt nolens volens gegeben werden muss, stellt eine solche, im Grunde vermeidbare Zwangsmaßnahme eine erhebliche Verletzung der Menschenwürde der Betroffenen dar, die aber bisher vom Gesetzgeber billigend in Kauf genommen wird (s. Assistenzpflegebedarfs-Gesetz.)

Es ist sehr zu begrüßen, dass in der gesamten Bundesrepublik "Medizinische Zentren für Erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung oder schweren Mehrfachbehinderungen" (MZEB, nach §119c SGB V) eingerichtet werden sollen, wovon einige in den letzten Jahren auch bereits gegründet wurden. Neben der Durchführung einer spezifischen Diagnostik und Therapie sollen sie ambulante fachärztliche Leistungen organisieren und steuern. Fehlende qualifizierte personelle Kapazitäten und andere sachliche Gründe haben bislang dazu geführt, dass bisher nur wenige MZEB zugelassen wurden.

Die wichtigsten Forderungen zum Gesundheitswesen

  • Die Assistenz im Krankenhaus und bei Arztbesuchen für alle, insbesondere für kognitiv und mehrfach Beeinträchtigte - nicht nur nach dem "Arbeitgebermodell" - muss sichergestellt sein (Öffnung des Assistenzpflege-Gesetzes !).

                                                      

  • Außer in akuten Notfällen müssen Ärzte zwingend die rechtlichen Betreuer mit "Aufgabenkreis Gesundheitsfürsorge" vor Medikationen und/oder Eingriffen informieren. Dazu gehört die gesamte Palette der medizinischen Aufklärung eines Patienten. Der rechtliche Betreuer muss entscheiden, ggf. mit Zustimmung des Betreuungsgerichts. (Eltern/Angehörige Erwachsener ohne entspr. Betreuung dürfen von Ärzten allenfalls mit ausdrücklicher Zustimmung der Betroffenen informiert werden!)

  • Ausbildung: Sowohl im Medizinstudium als ganz besonders auch in der Aus- und Weiterbildung von Pflegekräften ist dringend auch der Umgang mit kognitiv beeinträchtigten Patienten zu behandeln. Jedes Krankenhaus sollte zwingend eine ausreichende Zahl hierfür sachverständiger Mitarbeiter beschäftigen.

  • Alle MZEB müssen über ein gemeinsames Internet-Portal zentral auffindbar sein. Alle sollten eine umfassende Diagnostik anbieten und auch ihre zusätzlichen Spezialisierungen angeben, wobei als selbstverständlich zu erwarten ist, dass sie intensiv miteinander kooperieren; auch einrichtungsübergreifende Konsilien sollten in Zeiten moderner Kommunikationsmöglichkeiten unproblematisch sein.

Psychiatrie

​Das Bayerische Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz (BayPsychKHG) vom 24. Juli 2018 während seiner Entstehung zu vielen kritischen Diskussionen Anlass gegeben. Hier ist Wachsamkeit auch in anderen Bundesländern geboten.

Die Psychotherapie-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) lässt hoffen, dass sich auch in den Krankenhäusern/Psychiatrien etwas ändert. Die Richtlinie bildet die Grundlagefür die Durchführung von Psychiatherapie in der vertragsärtzlichen Versorgung,

  • wenn denn die Therapeuten zur Verfügung stehen.

  • wenn Bezugspersonen einbezogen werden.

  • wenn der Behandlungsbedarf besser abgeklärt wird.