“Alle dabei – gemeinsam unterwegs”

- Abschlussveranstaltung des Behindertenbeauftragten Jürgen Dusel -

 

Auf Einladung des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Herrn Jürgen Dusel, nahm ich am 10. Dezember 2019 an der Abschlussveranstaltung seines Projektes „Alle dabei – gemeinsam unterwegs“ teil. Das war das Motto einer Veranstaltungsreihe, mit der Herr Dusel in verschiedenen Regionen Deutschlands unterwegs war. Ziel der Reihe war es, auf die Bereiche zu schauen, die oft übersehen werden und mit Menschen zu sprechen, deren Stimmen häufig nicht wahrgenommen werden.

 

Mit Hilfe von Menschen mit Behinderungen und weiteren Expert*innen hat er mit seinem Team den Blick auf einige Themen gelenkt, bei denen dringender Handlungsbedarf besteht. Die Ergebnisse und Erfahrungen wurden am Ende des Jahres zu „Teilhabeempfehlungen“ gebündelt und an die Bundesregierung überreicht. (siehe Link) ). Entgegengenommen wurden die Empfehlungen von Dr. Franziska Giffey, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Dr. Markus Kerber, Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat sowie Dorothee Bär, MdB, Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin und Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung (siehe Link).

Die Veranstaltung wurde maßgeblich vom BMAS, vertreten durch Herrn Dr. Rolf Schmachtenberg, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, begleitet.

 

Die Einführung in die Teilhabeempfehlungen wurde mit erstaunlicher Detailvielfalt von Herrn Dusel präsentiert. Diese Vorstellung – Herr Dusel ist blind und trug ohne Konzeptvorlage vor -

verdiente Hochachtung. Wobei er auf die verschiedensten Lebensbereiche mit Blick auf die Barrierefreiheit mit der Zielsetzung – „Menschen mit Behinderungen können überall dabei sein“ einging. Wenn das gelingt, sagt man dazu Inklusion!

 

In folgenden Beiträgen wurden aus verschiedenen Bereichen spezielle Teilhabeempfehlungen vorgetragen:

 

 1.   Gesundheit - eine gute Versorgung für alle möglich machen.

Hubert Vornholt – Vorstands-Vorsitzender vom Franz-Sales-Haus, einer Einrichtung von der Behinderten-Hilfe in Essen. Hier wurde auch die Bedeutung der Betreuung behinderter Menschen im Krankenhaus hervorgehoben.

Michael Seidel – Ärztlicher Direktor a.D. von Bethel regional.

 

2.  Kinder und Jugendliche mit Behinderungen – Familien stärken

Pelle Stumpf – Schüler

Kerrin Stumpf – Geschäftsführerin vom Hamburg Eltern-Verein Leben mit Behinderung in Hamburg.

Hier dargestellt, Bedeutung und Probleme der Inklusionsbestrebungen in der Gesellschaft.

 

3.   Selbstbestimmtes Wohnen – ein Menschen-Recht umsetzen.

Andrea Hniopek – Caritas Hamburg – hilft Menschen in Not.

Barbara Ettinger-Brinkmann – Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, Vertreterin des DAT (Deutscher Architektentag).

Hier wurden besondere Ansichten zu zukunftsgerichtetem barrierefreiem Bauen behandelt.

        

 

4.   Teilhabe am Arbeitsleben – alle Möglichkeiten nutzen.

Michael Schweiger – Geschäftsführer vom Arbeits-Integrationsnetzwerk – ARINET.

ARINET hilft Menschen mit Erkrankungen bei der Teilhabe am Arbeitsleben.

Für psychisch Kranke – Integrationsdienste – Arbeitgebermotivation.

Michael Scheer – Geschäftsführer der Gesellschaft für integrative Beschäftigung Bremen. Die Gesellschaft hilft Menschen mit seelischen Behinderungen bei der Teilhabe am Arbeitsleben. Hier lag der Schwerpunkt auf sehr wechselnde Einsatzfähigkeiten von seelisch Behinderten.

 

5.   Digitalisierung – von Anfang an barrierefrei umsetzen.

  • Infos werden so verarbeitet und übertragen, dass Computer sie verstehen.

  • Dann sind die Infos digital.

  • Alle Menschen müssen digitale Infos nutzen können.

  • Alle Menschen müssen neue Techniken nutzen können.

  • Auch Menschen mit Behinderungen.

  • Darum müssen sie barrierefrei sein!

Christina Reiß – Behindertenbeauftragte der Stadt Heidelberg.

Hier ist der Schwerpunkt auf die Digitalisierung der Verwaltung mit der Möglichkeit der selbständigen Teilhabe und Datensicherheit gelegt worden; Datenschutz Ausbildung zum Selbstschutz mit dem nötigen Handwerkszeug versehen.

Melanie Schock – Beirat von Menschen mit Behinderung von Heidelberg. Unterstützung bei Einführung des E – Lernprogramms, Mobilisieren, Technik Vereinfachung.

Christian Bühler – Leiter der Forschungsstelle Technologie und Behinderung der Evangelischen Stiftung Volmarstein. – Professor an der Technischen Universität Dortmund. Mit der Zielsetzung: Technologie – barrierefreie digitale Teilhabe bis 2025. Die Medienkompetenz verbessern.

 

6.   Das Bundes-Teilhabe-Gesetz - für alle Menschen mit Behinderung gut umsetzen

Für diesen Bereich war Harry Fuchs vorgesehen, Professor im Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften an der Hochschule Düsseldorf; leider wegen Krankheit ausgefallen.

 

Übergabe der Teilhabeempfehlungen an die Bundesregierung.

Jürgen Dusel hebt das zentrale Thema der Barrierefreiheit als Maßstab für gleiche Lebensverhältnisse gemäß der UN – Behindertenrechts Konvention hervor. Diese stellt die Rahmenbedingungen für private Anbieter gemäß Artikel 14.2 des Grundsatzes der Verpflichtung des Eigentums für die Allgemeinheit dar. Er fordert gleiche Lebensverhältnisse in Deutschland.

 

Alle kommunalen Spitzenverbände mit 6 Arbeitsgruppen haben der Politik 12 Empfehlungen mit barrierefreien Aspekten erarbeitet. Hierzu gibt es einen Umsetzungsbeschluss. Dazu gehören:

  • Gut leben nach Wunsch und Wahlrecht,

  • Voraussetzung eines digitalen Anschlusses und

  • Behindertengerechte Verkehrsanbindung.

 

Hier ist die fehlende Berücksichtigung von Ansprüchen behinderter Menschen hinsichtlich digitaler Teilhabe zu bemängeln!

Ein weiteres Thema ist die Stärkung des Kinder– und Jugendhilferechts im kommenden Jahr mit der Umsetzungsgleichstellung behinderter– und nichtbehinderter Menschen.

 

Die Familienministerin Dr. Franziska Giffey stellt die besondere Bedeutung der Teilhabe aller Menschen – gleich welcher sozialer Schichten und Beeinträchtigung - in den Vordergrund.

 

Die Präsidentin des VDK – Frau Verena Bentele – spricht über das Thema:

Was hält der Deutsche Behindertenrat von den Teilhabe-Empfehlungen.

 

Durch die Veranstaltung führte in bemerkenswerter Weise Frau Dörte Maak – selbst blind -,

in einem Stakkato – ohne eine Vorlage und in einer verblüffenden Detail- und Namenspräsens!

 

Zum Schluss stellten sich sodann die drei „Blinden“ Protagonisten - Dusel, Bentele und Maak - noch zu einem „Blindate“- gemäß der Ankündigung von Jürgen Dusel zur Abschlussrunde.

 

Eine gelungene Präsentation!

 

Im Anschluss hatte ich sodann Gelegenheit Herrn Dusel und Herrn Dr. Schmachtenberg zu dieser gelungenen Präsentation zu beglückwünschen und konnte gleichzeitig Bezug nehmen auf meine vorangegangenen Schreiben zum Thema „Digitale Teilhabe“ im Hinblick auf die Inklusionsveranstaltung – Inklusiv Digital - im November 2018.

Mein Hinweis auf die nun ausstehende Befähigung der Zielpersonen – zum Einen die beeinträchtigten Menschen mit den verschiedensten Handicaps und gewissen kognitiven Einschränkungen mit Assistenzbedarf und zum Anderen die Rechtlichen Betreuer und Angehörigen mit der Sozialen Assistenz Kompetenz – mit dem nötigen Instrumentarium zur Befähigung der Digitalen Teilhabe zu versehen.

Hier sind Schulungsseminare und die Beschaffung von Tablets bzw. Smartphones von Nöten!

 

Herr Dusel hat diese Lücke sogleich erkannt. Herr Dr. Schmachtenberg führte an, dies Problem könne wohl nicht mit der Gießkanne bewältigt werden, vielmehr sähe er hier die Länder in der Pflicht über die Eingliederungshilfe zu unterstützen.

Gleichwohl, das Problem muss auf Bundesebene gelöst werden.

Wir haben die Fortsetzung des Gespräches vereinbart.

 

Nun erwarten wir mit Spannung die Umsetzungsbeschlüsse der jeweiligen tangierten Ressorts.

Hier Downloaden.

 

Volker Papenhagen, 10.Jan.2020

Vorstandsmitglied des BABdW