Was wünschen sich Betreute von ihren Betreuern?

 

Vom 01. bis 03. November nahmen meine Frau und ich an einer inklusiven Konferenz des BKEW in Stuttgart teil. Knapp hundert Personen kamen dort zusammen, um sich in einem Tagungshaus der Katholischen Kirche drei Tage lang über Juristisches und ganz Privates auszutauschen. Etwa jeder sechste Teilnehmer war beeinträchtigt und mit seinem juristischen Betreuer angereist.

 

Die meisten Teilnehmer wurden mit fachkundigen Vorträgen zum Betreuungsrecht, zum Bundesteilhabegesetz und den daraus entstehenden neuen Herausforderungen für die Angehörigen und Betreuer sowie über Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung auf den neusten Stand gebracht. Die beeinträchtigten Teilnehmenden bildeten in einem anderen Raum nach intensivem Kennenlernen unter kundiger Begleitung ein produktives Team. Sie setzten sich mit ihrer persönlichen Situation, ihren Wünschen und Träumen sowie den Hindernissen in ihrem Leben auseinander. Wie sich jede Person in ihrem Umfeld erlebte, das wurde in eindrücklichen Darstellungen, sei es auf einer Pappunterlage mit aufgeklebten Gegenständen oder auf großflächigen grafischen Darstellungen demonstriert.

 

Der Höhepunkt war dann, wie jeder aus dieser Gruppe seine Darstellung dem Plenum präsentierte. Da kamen dann ganz differenziert Wünsche und Forderungen, z. B. den Umgang mit Geld, die Auswahl von Kleidung oder Frisuren möglichst selbstbestimmt zu regeln.

Es wurde aber auch die dringende Erwartung geäußert, je nach Schwierigkeit z. B. bei Arztbesuchen oder Krankheit angemessen unterstützt zu werden.

 

Bei dieser überzeugenden Vorstellung wurde mit Beifall nicht gegeizt.

 

Neben aller harten Arbeit war viel Zeit für den gegenseitigen Austausch mit genügend Pausen vorgesehen. Denn hier trafen ganz verschiedene bemerkenswerte Schicksale aufeinander.

 

Ein erfahrener Kinderarzt erinnerte daran, dass für die Sorge-tragenden Menschen aus ihren besonderen Aufgaben Kraftquellen für ihr leibliches und seelisches Wohl erwachsen. Sie werden aufmerksamer und verantwortungsbewusster für sich und andere.

 

Nach dem Abendessen hatten wir wunderbare inklusive Erlebnisse einmal mit einem Improvisationstheater und dann mit der „Aufforderung zum Tanz“ für alle.

 

Der Landesarbeitsgemeinschaft der Eltern, Angehörigen und gesetzlichen Betreuer von Menschen mit geistiger Behinderung Baden-Württemberg (LAG AVMB e.V. Baden-Württemberg) ist sehr zu danken für die hervorragende und einzigartige Konzeption und Durchführung diese Konferenz. Sie konnte nur dank einer erheblichen finanziellen Unterstützung durch das BMAS ermöglicht werden.

Hier downloaden.

Ulrich Stiehl 07.11.2019

Vorsitzender das BABdW